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Geschichte vom Menschen auf der Kiste
Inspirationen zur „Atempause“ - Kirche der Stille in Hamburg-Altona
anlässlich des Kirchentages im Mai 2013  „Soviel du brauchst“ von Stephan Hachtmann


Auch so spricht die göttliche Weisheit zu dir und zu mir: 
„Altes Sein geb ICH frei. Komm zu MIR. Alles da!“


So wie Gregor vom Sinai vor einigen Jahrhunderten aus seiner ganz eigenen Erfahrung mit dem Heiligen sagen konnte:
„Werde, was du schon bist.
Suche ihn, der bereits dein ist.
Höre auf ihn, der nimmer aufhört zu dir zu sprechen.
Gehöre ihm, der dich bereits sein eigen nennt.“


Genauso können wir heutzutage das Motto des Kirchentages hören: Es ist alles bereits da! Nimm teil an der Fülle. Soviel du brauchst. Ganz für Dich. Ganz für alle. Verbinde dich mit diesem Reichtum. Öffne dich dem Schatz der gegenwärtig wirkenden Vollkommenheit und Fülle. Trete ein in die bereits bestehende Verbundenheit von allem was ist. Erinnere dich daran. Alles ist da. Soviel du brauchst. In jedem Jetzt.

Doch halte nichts fest und lehne nichts ab! Übe dich ein in die Haltung: „Dein Wille geschehe.“ Überlasse dich der Fülle des ewig neu sich entfaltenden Augenblicks. Erspüre alles, was darin geschieht und gib  alles wieder frei. Verweile in dem vielfältigen Geschenk der Gegenwart. Nimm dieses nahe Geheimnis wahr; auf allen Ebenen deines Bewusstseins. Verbinde dich mit dieser Dimension des Lebens und hör auf zu suchen – so kannst du dich  in der Tiefe von dem Sein, das du bereits bist, berühren lassen.

Eine Geschichte:
Ein Mensch sitzt seit über dreißig Jahren am Wegrand. Er bettelt. Er hält seine Baseballmütze den Vorübergehenden hin und bittet um etwas Geld. „Haste mal nen Euro?“ Tagaus. Tagein. Monat um Monat. Jahr um Jahr. Eines Tages kommt ein Fremder vorbei. Auch er wird gefragt und antwortet: „Ich kann dir leider nichts geben“ Er kramt in seinen Taschen. „Ich habe nichts, was ich dir geben könnte, doch was ist dort in der Kiste?“ „Welche Kiste?“, fragt der Mensch, der schon so lange dort sitzt. „Na die Kiste, auf der du sitzt!“ erwidert der Fremde. Erstaunt und etwas ungläubig entdeckt der Mensch die Kiste, auf der er seit gefühlten Ewigkeiten seinen Mangel zelebriert. Mit ermutigender Diplomatie und gutem Zureden gelingt es dem Fremden schließlich, den Bettelnden zum Öffnen der Kiste zu überreden. Dieser müht sich auch redlich ab und holt sich dafür sogar ein wenig blutige Finger. Doch er lässt nicht locker und irgendwann ist die Kiste offen. Und was findet er darin zu seinem allergrößten Erstaunen? Gold, Edelsteine, Geld …!!! Alles da. Die ganze Fülle. Alles war immer schon da. Der überreiche Schatz in unermesslichem Überfluss. Die Basis zu einem erfüllten Leben. Diese Quelle war nur verhüllt, verdrängt und abgewehrt - verborgen und vergessen. Jetzt ist alles, was schon immer da war, zugänglich.

Wo befindet sich dieser Schatz? Wie gewinnen wir den Zugang zu diesem Ort der Fülle? Im Inneren, verheißen uns die großen alten Weisheitswege. Alle Schätze sind dort anwesend. Alles was ich brauche, finde ich in meinem Herzen, in der Schatztruhe der eigenen Tiefe. In meiner Mitte. Spirituelle Wege verweisen auf diese Schatzkammer und die treue Hinwendung nach innen, wo sie zu finden ist. Dort scheint die Quelle des Lebens ihren Ursprung zu nehmen und in der Gegenwart empor zu quellen.

Auf der Suche im Außen finden sich vergängliche, raumzeitliche Dinge und Schätze, die mich maßlos machen, wenn ich auschließlich nur ihnen folgen würde. Letztendlich lassen sie mich verhungern und wecken eine unstillbare Sehnsucht nach mehr. Vorübergehende Traumbilder einer endlosen und immer vergeblichen Suche. Diese vom Charakter des Vorübergehenden bestimmten Werte sind Gaben und Qualitäten, Haltungen und Ideale, die mich nicht wirklich erfüllen können und zu immer neuer Suche antreiben. Besonders, wenn ich sie festhalten möchte oder sie besonders heftig ablehne.  Daher heißt es zurecht im Thomas-Evangelium “Werdet vorübergehende!” Wie anstrengend - wie sinnlos kann sich mein Leben gestalten, wenn ich das Vorübergehende fixieren will. Irgendwann bin ich dann ganz erschöpft oder ausgebrannt. Diese einseitige Suchbewegung führt mich vom Wesentlichen weg. Diese Weltflucht wird zur Weltsucht und wird mich vereinzeln. So kann mein Durst nach wahrem Leben nicht gestillt werden.  

In der jahrhundertelang erprobten Tradition des Herzensgebetes können wir uns mit der Weisheit  und Erfahrung verbinden, die uns zu einer inneren (esoterischen) Suche einlädt und aus diesem Innen heraus tiefe Erkenntnis verheißt. Im Aufmerken auf unsere innere Gestimmtheit können wir uns für eine Wahrnehmung öffnen, die uns zu uns selbst, zu einem Du und zu Gott führen kann. Es ist ein aufmerksamens und achtsames Wahrnehmen der Gegenwart Gottes. In mir. Durch mich. In dir. Durch dich. Heiligkeit in allem, was ist. Es ist die hörende und empfangende Hinwendung zu einem Ort der Wahrheit, an dem die verborgene Schwingung der Freiheit, Offenheit und Gnade wirkt und bereits vollkommen anwesend ist. Der innerste Tempelschatzraum, wo die Ruhe des Herzens beheimatet ist. Der Klang, wo die zwei Herzen sind eins. Ganz „Geh-Heim“. Klangfeld, in das wir heimkehren. Geheimnis des Lebens. Heilvolles Wunder in unserer raumzeitlich erlebten Verwundung. Und diese Hinwendung geschieht dabei in kleinen Schritten, in unserem Maß, auf der Ebene der Einübung in die Wahrnehmung unseres Körpers, unseres Atems und unserer Gedankenbewegungen.

Hilfreich ist es dabei zu erinnern, dass der Boden für diese Erfahrung durch eine hineinhorchende und sich-zurücknehmende Haltung bereitet wird. Dazu ein weiteres Bild: Ein Mensch hatte die ganze Nacht zu Gott gebetet. Mit aller ihm zur Verfügung stehenden Macht und Möglichkeit stemmte er sich gegen die Tür, die ihn von Gott trennte. Er gab nicht auf. Immer wieder unternahm er einen neuen Anlauf. Er spürte es ganz deutlich: Gott war ihm schon ganz nah - es trennte sie nur noch diese eine Tür. Im Morgengrauen, nach vergeblichem Bemühen, sank er völlig erschöpft  und mit der Klinke in der Hand zu Boden und bemerkte mit Verwunderung: Die Tür geht nach innen auf! Da trat die Liebe ein und er nahm teil an der ursprungsgegenwärtigen Fülle des Lebens.

In dieser horchenden Haltung sprechen wir in einfacher und treuer Wiederholung, mit der uns jetzt möglichen Hingabe unser kleines Gebet, folgen der Weisung: „Betet ohne Unterlass“, schließen uns in unser kleines inneres Kämmerlein ein, stimmen den Kammerton der Liebe an (das Herzensgebet) und lassen geschehen, was auch immer geschieht und nehmen war, was die Fülle des Lebens uns in jedem neuen Jetzt schenkt. Es ist unser Lieblingssatz den wir unablässig wiederholen. Es ist der “Ohrwurm “ unseres Herzens, der uns den befriedeten Raum der Seele erfahrbar werden lässt.  „Siehe, ich mache alles neu!“ sagt Johannes in der Offenbarung. Dieser tiefsten Tiefe dürfen wir uns in jedem neuen Jetzt anvertrauen und ihr in die höchste Höhe folgen. ... und dabei dürfen wir uns daran erinnern: Die Tür geht  doch nach innen auf!
 

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