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Aufruhr zur Liebe
Gedanken und Anregungen
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Glückselig sind die, die Leid und Sorge tragen,
denn sie werden die Zukunft mitgestalten und getröstet werden.
(Matthäus 5,4)


„Glückselig sind die, die Leid und Sorge tragen.“ In diesem neutestamentlichen Segenswort, das behauptet, dass Leiden Glückseligkeit hervorruft und befähigt, Zukunft mitzugestalten, erklingt eine tiefe Weisheit. Sie möchte berühren und direkt und provokativ in unsere kollektive und individuelle Verunsicherung hineinsprechen. Mich inspirieren diese Jesus-Worte und fordern mich heraus, tiefer den Kern der Aussage zu ergründen. Wie kann mein und unser Leiden ein Segen sein? Wie kann die schmerzhafte Wirkung eines leidvollen Zustandes verheißungsvollen Trost und zukunftsweisende Gestaltungskraft hervorbringen? Eine erste Spur: Im Aramäischen, der Muttersprache Jesu, hat ein Wort nicht nur eine Bedeutung, sondern ein Wort eröffnet eine ganze Bedeutungsvielfalt. Neil Douglas-Klotz, ein Kundiger des Aramäischen, bietet uns folgende Übersetzung für diese "Seligpreisung" an, die den Raum für ein umfassenderes Verständnis vielleicht ein wenig öffnet:

Im Einklang mit der Quelle sind jene, die sich vom Leben verwirrt fühlen,
sie werden aus ihrem Umherirren zurückgeführt werden – hier und jetzt.


Ausgelöst und nachhaltig angeregt, besonders durch die eindrücklichen Auftritte und Ansprachen der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, wächst in mir eine leise Ahnung über die kraftvolle und heilsame Botschaft der Seligpreisung. Dieses zur Zeit in vielen Medien präsente 16-jährige Mädchen aus Schweden, hat mich und viele andere Menschen mit ihrer fast prophetisch mahnenden Tiefe und Klarheit berührt und uns mit der unausweichlichen Wahrheit unseres zerstörerischen Umgangs mit der Erde konfrontiert. Greta Thunberg teilt ihr Anliegen mit allen jenen, die vom Leben und Treiben auf dieser Erde zutiefst berührt und verwirrt sind und sich zugleich voller Standhaftigkeit und Wahrheitsliebe für einen Ausweg aus einem ziellosen Umherirren einsetzen. Wer offene Ohren und Augen hat, wird diese Entwicklung und diesen Aufbruch wahrnehmen können. Mit ihrer ruhigen und fast stillen Präsenz erinnert uns Greta Thunberg an unsere Mitverantwortung. Sie fordert und beschwört eindringlich, ermutigend und radikal den individuellen Bewusstseinswandel und die kollektive Transformation des vorherrschenden Paradigmas. Diese unmissverständliche Öffnung zur Wahrheit drängt durch sie und andere immer stärker und unausweichlicher ans LiWunde(r)ose von Britta Dreisbach, Öl 2019 webcht und auf die Bühnen der Welt und verschafft sich dort Gehör. Dass es auf unserem Planeten so nicht weitergehen kann und darf, ist überdeutlich erkennbar und vielen Menschen schon längst bewusst. 

Als „Ostdeutscher“ und entsprechend sozialisiert, erinnert mich das, was zur Zeit gerade an Verdrängung und Aufbruch passiert, an die mutlos gewordenen grauen Jahre und die letzten verbliebenen Lebensäußerungen des diktatorischen DDR-Systems. Während einer lähmenden Frustration und Endzeitstimmung hatte sich in der damaligen Situation fast unsichtbar und im Verborgenen ein immenses Kraftfeld aufgebaut, das innerhalb kürzester Zeit die jahrzehntelang bestehenden Machtverhältnisse hinwegfegte und das schon längst nicht mehr Haltbare und Überholte vollkommen neu gestaltete und umformte. Heraklit beschrieb bereits vor einigen Jahrhunderten die mächtige Gestaltungskraft des Unsichtbaren, indem er erkannte: „Die verborgene Harmonie ist stärker als die offensichtliche.“ Diese unberechenbare und sprunghafte Wandlungsdynamik bleibt mir bis heute zukunftsweisende Verheißung und Ermutigung. Auch wenn dieser Wandel im Nachhinein von vielen Menschen eher als ein persönliches Desaster und wie ein Sprung „vom Regen in die Jauche“ wahrgenommen wurde, wie es Wolf Biermann einmal auf den Punkt brachte. Doch der Wandel geht weiter.

Heute befinden wir uns global an einem Scheidepunkt. Kurz vor dem totalen Kollaps. Verwirrt und rastlos scheinen wir unaufhaltsam, mit Höchstgeschwindigkeit und auf vielen Ebenen gegen die Wand zu fahren. Christina von Dreien - eine andere junge (r)evolutionäre Stimme, die sich mit deutlichen und richtungsweisenden Gedanken zu Wort meldet, sagt: „Die Menschen verhalten sich heutzutage auf der Erde wie in einem Spiel, in dem sie die Spielanleitung verloren haben.“ (https://christinavondreien.ch/)

Ja, es braucht hier und jetzt unser ganzes Interesse und unser aufrichtiges Engagement, um diese verlorengegangene Spielanleitung wiederzufinden. Vielleicht stimmt die heutige Not eindringlich mit dem Aufschrei des menschlichen  Herzens nach den ursprünglichen Spielregeln der Liebe überein, der durch alle Zeiten der Menschheitsgeschichte ertönte und Verwirklichung herbeisehnte. Die Umstände erfordern heute eine kollektive und globale Rückbesinnung und Erinnerung an das "heilige Spiel der Liebe", das befähigt, fürsorglich und verzeihend, nachhaltig und verbindend im Einklang mit Mutter Erde zu wirken. Dieses neue Spiel der Liebe schreibt auf seine Fahnen kreative Weisheit, dienende Hingabe und harmonikale Schönheit. Wir müssen uns jetzt ändern. Wenn wir unser Herz weit öffnen, können wir diesen Aufruhr zur Liebe an vielen Zeichen erkennen. In dieser "Weltsekunde" sind wir gerufen, uns mit diesen leidenschaftlichen Kräften und Menschen zu verbinden. Als Treibstoff für die Bewegung wirken dabei oftmals die bitteren Tränen der Verzweiflung und Hilflosigkeit. Vielleicht breitet sich diese „tränenerfüllte“ Bewegung zur Manifestation der Liebe gerade jetzt so rasant aus, weil zu spüren ist, dass diese dornenreiche Zeit bereit und reif ist, um das Tor der Wandlung zu öffnen und den Duft der Rose zu befreien.

Doch wohin sollen wir gehen? Wie uns verhalten? Was ist jetzt wirklich dran? Ein erster und notwendiger Schritt scheint zu sein, dass wir die gründliche Wahrheit über die Verwundung und den Zustand unserer Erde und unseres eigenen Herzens vorbehaltlos wahrnehmen, zulassen, erforschen, bekennen und zu guter Letzt liebevoll annehmen. So  wie der Künstler Joseph Beuys, der den Zusammenhang von Heilung und Wahrheit 1974 in seiner die Gemüter erregenden Installation „Zeige deine Wunde“ verarbeitet und visionär aufgezeigt hat. (https://de.wikipedia.org/wiki/Zeige_deine_Wunde) Bei dieser wahrheitsgetreuen „Wund-Erforschung“ wird es hilfreich und notwendig sein, Geborgenheitsräume aufzusuchen, in denen es uns ermöglicht wird, ein wahrheitsliebendes Bewusstsein zur Entfaltung zu bringen. Wir brauchen Schutzräume und innere Sicherheit, damit eine Haltung wachsen kann, die wandlungsbereit ist und uns in heilvolle Verbindung mit dem bringt, was Wahrheit ist.

Da wo ich geborgen bin, kann ich mich wahrnehmen
und da wo ich mich wahrnehme, kann ich mich wandeln.
(Sabine Nägli)


Auf dieser Reise sollten wir damit rechnen, dass die „Feile Gottes“ sehr tief ansetzen wird, um unsere Ebenbildlichkeit in Gestalt von Liebe und Schönheit herauszuformen. Dabei wird es uns vermutlich sehr unkomfortabel vorkommen, dass die in diesem Prozess erscheinende Wahrheit uns unser Leid, unsere Ängste, unseren Kummer, unsere Trauer, Hilflosigkeit, Wut oder Sorge schmerzlich bewusst machen wird. Und dennoch liegen hierin die fruchtbringenden Samen und das Potential für nachhaltige Wandlung und Neubeginn. In dem Maß, in dem wir bereit und offen sind, Wahrheit zuzulassen, können sich unsere Wunden in das Wunder des Lebens wandeln. In dieser globalen Notlage scheint es überlebensnotwendig zu sein, dass wir in Kontakt mit der „Verwundung unseres Herzens“ kommen und aus der Wohlfühlzone unseres Lebens mutig heraustreten.

Greta Thunberg hat am 29.03.2019 zu ca. 25.000 Berliner Schülern gesprochen. In ihrer kurzen Ansprache hat sie Wesentliches formuliert und mit ihrer ernsthaften und weisen Präsenz mein Herz zutiefst berührt.

Ihre Botschaft klingt für mich wie ein Weckruf nach Außen:
"Wenn wir ihnen jetzt sagen, dass wir in Sorge sind über die Zukunft unserer Zivilisation, dann streicheln sie uns über den Kopf und sagen: 'Es wird alles gut, mach Dir keine Sorgen ...' Aber wir sollten uns Sorgen machen, wir sollten in Panik verfallen. Mit Panik meine ich nicht herumzurennen und zu schreien. Mit Panik meine ich herauszukommen aus unserer Komfortzone. Wir haben immer noch nichts gesehen. Wir sind immer noch ganz am Anfang. Vertraut mir.“ (https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-03/klima-demonstrationen-greta-thunberg-brandenburger-tor)

Die Gabe, in dieser Klarheit und Wahrhaftigkeit nach außen zu wirken, erfordert innere Balance und Weisheit, angstfreien Zugang zu der "Unterscheidung der Geister" und eine souveräne Haltung, die sich nicht instrumentalisieren oder korrumpieren lässt. Sie ist in der Tiefe des Herzens mit einer Lebensquelle in Verbindung ist, die weit über die irdische Dimension hinausweist und gleichzeitig zutiefst im Alltag verwurzelt bleibt. Diese Verbindung nehme ich in Gretas Ausstrahlung und Botschaft staunend wahr. Ich fühle mich mit ihr verbunden und möchte ihr Engagement aufgreifen und mit meinen Möglichkeiten verstärken. Mein Anliegen ist es, Räume zu öffnen, in denen Menschen durch Meditation und andere Übungsformen lernen, umfassende Wahrheit und spirituelle Weisheit in ihrem Bewusstsein zu kultivieren. Mit diesen Angeboten gebe ich Anregungen, um neue Einsichten und Begabungen heilvoll ins Leben zu integrieren und für das Leben auf dieser Erde mitverantwortlich einzubringen. In der Hinwendung zu der spirituellen Dimension des Lebens sehe ich heutzutage die vorrangige menschheitliche individuelle und kollektive Aufgabe, die auch die meine ist. Damit sich die notwendigen tiefgreifenden Wandlungsprozesse ereignen können, bedarf es einer umfassenden und tiefgreifenden Öffnung des Herzens für ein Bewusstsein, das sich von der inneren Weisheit des Lebens wieder neu inspirieren lässt und diese heilsamen und nachhaltig wirkenden Informationen im Alltag bezeugt.

Am 03.03.2019 hat die bereits erwähnte Christina von Dreien während eines Seminares in St. Gallen gesagt: „Wenn wir Frieden wollen, dann müssen wir die Welt auf den Kopf stellen. Und es ist einfach so, dass, wenn wir die Welt auf den Kopf stellen möchten, wir uns selbst auf den Kopf stellen müssen – und nicht sollten oder könnten, sondern müssen.“ (https://www.youtube.com/watch?v=yaYMMZ8V_bg)  Ja, die Wandlung beginnt in unserem Herzen. Sie beginnt mit dem Mut, uns selbst zu hinterfragen und uns selbst in aller uns jetzt möglichen Wahrhaftigkeit anzuschauen. Dort fangen wir an.

Den Worten von Greta Thunberg folgend, mein persönlich formulierter Weckruf nach Innen:
"Wenn ich mir selbst und meinem Inneren jetzt sage, dass ich in allergrößter Sorge und voller Leid über die Zukunft meines verwundeten Herzens bin und über den Zustand meiner Seele, dann streichelt mir sogleich das, was sich das verdrängende Ich nennt oder das, was das ignorante, selbstsüchtige, selbstzerstörerische, unbewusste und machtvolle Ich repräsentiert, über den Kopf und sagt beschwörend und mit süßlich verlogener Stimme: 'Es wird alles gut, mach Dir keine Sorgen – hab keine Angst, mach einfach weiter so...' Dabei sollte ich mir große Sorgen machen! Unbedingt! Jetzt! Ich sollte endlich aufwachen und meine Ängste und Probleme wahrnehmen und in allergrößte Panik verfallen. Und mit Panik meine ich nicht, dass ich kopflos und aufgeregt herumrenne und schreie. Mit Panik meine ich, dass ich endlich aus meiner Komfortzone herauskomme und damit beginne, meine innere Verfassung und meine Lebenslügen wahrzunehmen und es an der Zeit ist, mich ihnen aufrichtig und liebevoll zuzuwenden. Ich brauche lebensnotwendige Wandlung dort, wo ich mich mit meinen Umständen und Mustern, Strategien und Projektionen, Verwundungen und Bequemlichkeiten, den großen und kleinen Lügen abgefunden und eingerichtet habe. Dabei habe ich die verborgen wirkenden Zusammenhänge und Dimensionen meines Leidens und meines Verwundetseins immer noch nicht wirklich erkannt. Ich habe mich mit meiner tiefsten Wahrheit immer noch nicht wirklich konfrontiert. Ich bin immer noch ganz am Anfang. Ich fang ja gerade erst an. In jedem Jetzt, ein neuer Anfang. Zugleich beginne ich zu ahnen, dass in jeder Wunde meines Lebens das Wunde(r) meines Lebens innewohnt. Dieses Geheimnis beginnt sich gerade etwas zu lüften. Und ich vertraue. Geh die kleinen Schritte. Geh-Heim. Finde mein Maß und beschreite gemeinsam mit anderen meinen ganz eigenen Weg – in der Gewissheit‚ ‘es blüht hinter uns her.‘ “

Im spirituellen Weg des Herzensgebetes verbinde ich mich mit der Quelle der Wahrheit, die reines göttliches Licht ist, Liebe atmet und im Herzen der Menschen und der Erde manifest ist. Im mantrischen Gebet des Herzens meditiere ich mit einem Wort oder Satz und zentriere mein Bewusstsein auf dieses Eine. Ich wiederhole diese große Einfachheit und heilige Weisheit immer wieder und immer wieder. In diesem immerwährenden Sich-Ausrichten und Verbinden mit der Quelle allen Lebens, kann befreiende Einsicht in die vielfältigen Tiefendimensionen der Wahrheit geschehen. Verbunden mit dem göttlichen Herz kann sich mein Herz heilsam wandeln und sich nach innen und außen neu aus- und aufrichten.

Die folgende Weisheit aus dem Johannesevangelium spricht für sich und folgt dem Anliegen von Greta Thunberg und Christina von Dreien auf biblische Weise: „Wenn ihr an meinem Wort bleiben werdet, werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh. 8,31f) oder um mit dem ermutigenden Zuspruch von Greta Thunberg diesen Beitrag abzurunden:

Change is coming.

Trust me.

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